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Das beste Straßentraining und das abgebrühteste Pferd helfen
oft nichts, wenn dem Reiter unvorhergesehene Gefahren begegnen, bei denen
er
sich unsicher fühlt und nicht weiß, wie er reagieren soll.
Denn gerade im Straßenverkehr muss man auf mehr gefasst sein als nur auf
vorbeifahrende Autos.
Autos, die Reiter und Pferd in genügendem
Abstand und kontrollierter
Geschwindigkeit
überholen, stuft das Pferd in der
Regel nicht als gefährlich ein,
wenn es die Fahrzeuge
kennt und keine schlechten
Erfahrungen
damit gemacht hat. Kritisch kann
es dagegen
werden, wenn ein Auto zu dicht an
das Pferd
heranfährt, so dass es sich
bedrängt fühlt. Oftmals
geschieht dies, wenn Fahrzeuge
entgegenkommen
und das überholende Auto nicht auf
die Gegenfahrbahn ausweichen kann.
Dann
zwängen sich viele Autofahrer
zwischen dem
entgegenkommenden Gefährt und dem
Pferd
hindurch. Möglich ist auch, dass
in so einem
Fall der Autofahrer hinter dem
Pferd scharf abbremst
und dabei sehr dicht auffährt. Zu
dicht
und zu schnell vorbeifahrende
Autos kommen
häufig vor, denn der Autofahrer
ist normalerweise
mit dem Individuum Pferd nicht
vertraut,
so dass ihm nicht klar ist, dass
er mit seinem
Verhalten Reiter und Pferd in
Schwierigkeiten
bringen kann.
Autofahrer:
Fehlverhalten
durch Unwissenheit
Der Autofahrer weiß nicht, bis zu
welchem Grad
sich ein Pferd sicher fühlt und ab
wann es in
Bedrängnis gerät. Der Reiter kann
von anderen
Verkehrsteilnehmern keinen
Pferdeverstand voraussetzen
und muss darum immer mit einem
Fehlverhalten rechnen. Schnelles
und dichtes
Vorbeifahren eines Autos kann man
nur eingeschränkt
trainieren. Man muss damit
rechnen,
dass das Pferd einen Sprung zur
Seite – sprich
vor oder gegen das Auto – machen
könnte!
Aus Sicherheitsgründen kann man
das Training
nicht so gestalten, dass das Auto
sehr dicht und
schnell am Pferd vorbeigesteuert
wird, so wie
es wohl in der Realität vorkommen
könnte. Dies
wäre viel zu gefährlich.
Besser ist es deshalb, wenn man
auf Alternativen
ausweicht, bei denen das Pferd in
sicherem
Abstand gehalten wird. Zuerst gilt
bei jeglichem
Training, aber auch immer beim
Reiten auf der
Straße, dass man auf großflächige
Ausweichstellen
achtet. Ein breiter Wiesenstreifen
neben
der Straße oder ein abgeerntetes
Feld sind gute
Ausweichflächen in Notsituationen.
Zäune allerdings,
die direkt neben der Straße
verlaufen,
können das Pferd - wenn es sich
bedrängt fühlt
– am Ausweichen hindern. Das Pferd
sieht keine
Fluchtmöglichkeit und könnte in
seiner Panik
dann auf die Straße springen.
Anstatt dass man beim Training nun
ein Auto
zu dicht am Pferd vorbeifahren
lässt, sollte der
Autofahrer lieber Abstand halten.
Im Training
kann man aber den Autofahrer
anweisen, mal
scharf abzubremsen oder den Motor
aufheulen
zu lassen und damit angsterregende
Geräusche
verursachen. Zu beachten ist beim
Training
auch, dass sich das Pferd sicherer
fühlt, wenn
eine vermeintliche Gefahr vorn
vorne auf es zukommt.
Darum wird das Pferd jeweils
zuerst von
vorne mit dem Auto (oder anderem
Trainingsobjekt)
und dessen Geräuschen konfrontiert
und
erst später von hinten. Der
Autofahrer muss bei
all seinen Manövern immer darauf
bedacht sein,
dass er dem Pferd nie zu nahe
kommt, denn Risiken
sollten ausgeschlossen werden.
Unvorhergesehene
Gefahrenquellen:
Nur
indirekt trainierbar
Es ist zu bedenken, dass das Pferd
zur Seite
springen oder auch ausschlagen
kann, ebenso
gut kann es aber auch versuchen
davonzulaufen.
Einem Abbremsmanöver darf ein
scharfes
Anfahren folgen, vorausgesetzt,
das Pferd ist
bisweilen ruhig geblieben.
Schließlich kann der
Fahrer aufblenden und die Hupe
betätigen. Man
kann auch noch Fahnen aus dem
Autofenster
hängen, oder ein paar leere Dosen
am Auto anhängen.
Oftmaliges Wiederholen des
Trainings
desensibilisiert das Pferd
gegenüber derartigen
Reizen und macht es im
Straßenverkehr sicherer.
Damit ist es auch gegen
unvorhergesehene
Gefahrenmomente, die nicht direkt
trainierbar
sind, besser gewappnet.
Ein Pferd, das schon bei
vorüberfahrenden Autos
unsicher ist, stellt eine große
Gefahr für sich
selbst, seinen Reiter und für
andere Verkehrsteilnehmer
dar. Ein konsequentes Training ist
hier
unbedingt erforderlich. Ein
autosicheres Pferd
aber kann unter „normalen“
Umständen auf
der Straße geritten werden,
allerdings ist das
Auto leider noch lange nicht
alles, was einem
im Verkehr begegnen kann. Größere
und lautere
Ungetüme sind dabei Traktoren,
Mähdrescher,
Lastwagen und Baufahrzeuge. Auch
damit muss
gerechnet werden.
Wenn solche Fahrzeuge dann noch
sehr dicht
am Pferd vorbeifahren, kann es
schon sehr gefährlich
werden, wenn man sein Tier nicht
gut
unter Kontrolle hat. Es gibt nur
selten ein Pferd,
das ruhig bleibt, wenn ein
Sattelschlepper in
geringem Abstand vorbeirauscht.
Sogar selber
erschrickt man dabei oft, auch
wenn das Fahrzeug
schon aus weiterer Entfernung zu
sehen
war. Derartige Situationen sind in
dieser Härte
kaum erfolgreich trainierbar, da
das Pferd trotz
größten Vertrauens und besten
Trainings immer
noch ein Fluchttier bleiben wird.
Darum sind die
erwähnten Ausweichflächen wichtig,
zum anderen
muss man dafür sorgen, dass das
Pferd mit
einem entsprechenden Gebiss
gezäumt ist, mit
dem man noch eine gute Einwirkung
auf das
Pferd hat, so dass es auch in
Paniksituationen
kontrollierbar bleibt. Für einen
Ausritt sind deshalb
gebisslose Zäumungen nicht
geeignet. Für
manches Pferd kann selbst eine
Wassertrense
nicht die richtige Wahl sein.
Grundsätzlich muss
das jeweilige Pferd mit dem
gewählten Gebiss
für den Reiter in jeder Situation
kontrollierbar
bleiben.
Artgenossen
schaffen Sicherheit
Die meisten Pferde sind innerhalb
einer Gruppe
viel ruhiger, so dass man zehn
Pferde zusammen
oft ohne Probleme durch das
Zentrum einer
Großstadt reiten kann, während es
mit einem
einzelnen Pferd dagegen große
Probleme geben
könnte. Darum empfiehlt es sich,
die Ausritte
immer darauf abzustimmen, wohin
man reiten
will und ob man dann alleine oder
besser in der
Gruppe reitet. Allerdings muss man
auch bedenken,
dass eine durchgehende
Pferdegruppe
schwieriger wieder zu stoppen ist
als ein einzelnes
Pferd.
Kein Autofahrer kann wissen,
welchem Pferd er
begegnet: Ist es ein sicheres,
erfahrenes Pferd
oder ein junges, nervöses? Der
vernünftige Autofahrer
wird darum immer in entsprechend
großem Abstand und in
kontrollierter Geschwindigkeit
das Reiter-Pferd-Paar passieren.
Doch
leider muss man mit vielen
rücksichtslosen und
unwissenden Verkehrsteilnehmern
rechnen. Es
hilft manchmal, den Arm
auszustrecken, wenn
man bemerkt, dass ein Auto sehr
schnell heranfährt,
und dem Autofahrer mit Auf- und
Niederbewegungen
der Hand deutlich macht, dass
er seine Geschwindigkeit drosseln
soll. Gerade
wenn man mit einem jungen Pferd
unterwegs
ist oder wenn das Reittier nervös
geworden ist,
sollte man sich über Zeichen mit
den Autofahrern
verständigen und ihnen
signalisieren, dass
man mehr Abstand oder ein
reduziertes Tempo
wünscht. Natürlich muss man aber
auch dann
damit rechnen, dass viele
Autofahrer dieser Aufforderung
keine Beachtung schenken.
Es kann durchaus auch vorkommen,
dass sich
Auto- oder Motorradfahrer einen
regelrechten
Spaß daraus machen, Pferde zu
erschrecken.
Oftmals wird dann fleißig gehupt,
während
diese unvernünftigen, aber leider
nicht ausrottbaren
Verkehrsteilnehmer, sehr dicht und
in
hoher Geschwindigkeit
vorbeifahren. Manche
Reiter haben dabei schon
regelrechte Verfolgungsjagden
über sich ergehen lassen müssen.
Da ist man sogar auf Feldwegen
nicht gefeit,
denn auch hier kann man Motorrad-
und Traktorfahrern
begegnen. Nicht zuletzt haben
einige
Reiter auch schon schlechte
Erfahrungen mit
Hubschraubern, Heißluftballons
oder Flugzeugen
machen müssen. Sieht man eine
derartige
Gefahr auf sich zukommen, ist man
bestens
beraten, langsam, aber konsequent
den Rückzug
anzutreten. Den Helden zu spielen
hat hier
niemals Sinn, weil das Pferd dabei
sehr schnell
traumatisiert werden kann.
Mehr
als nur Fahrzeuge
Mit dem Überqueren oder
Entlangreiten von
stark befahrenen Straßen mit all
seinen Gefahren
ist es für den Freizeitreiter aber
noch lange
nicht getan. Beim Durchreiten von
Siedlungen
können einem mehr als „nur“
allerlei Fahrzeuge
begegnen. Lärmende Kinder, die mit
ihren Fahrrädern
durch die Seitenstraßen flitzen,
dabei oft
scharf bremsen und durch
unvermutete Fahrmanöver
das Pferd schnell verunsichern
können.
An der nächsten Ecke kommt der
Wachhund
bellend gegen den Zaun gesprungen:
Welches
Pferd kann dabei nicht
erschrecken? Mögliche
Schreckgespenste sind auch
ratternde Rasenmäher,
ballspielende Kinder, grellblaue
Swimmingpools,
Rollläden, die gerade hochgezogen
werden oder Spaziergänger mit
Regenschirmen.
Auf all diese Gefahren muss man
als Reiter gefasst
sein und korrekt reagieren. Wenn
sich ein
Pferd verspannt und ängstlich
wird, sollte man
stets versuchen, an der
gefährlichen Stelle möglichst
ruhig im Schritt vorbeizureiten
und nicht
stehen zu bleiben. Der Reiter muss
dem Pferd
zu vermitteln versuchen, dass die
Situation,
die dem Pferd Angst einflößt,
völlig belanglos
ist. Der Reiter sollte sich also
gleichgültig zeigen
und die Gefahrenquelle ignorieren.
So wird
sich auch das Pferd nicht
übertrieben darüber
aufregen. Bald wird auch dem Pferd
der knatternde
Rasenmäher oder die lärmenden
Kinder
gleichgültig sein. Auf der Straße
muss man immer
mit unvorhergesehenen
Gefahrenmomenten
rechnen, also gilt es, ständig auf
der Hut
zu sein, Augen und Ohren
offenzuhalten und
vorausschauend zu reiten, um
herannahende
Gefahren frühzeitig erkennen zu
können. Zudem
sollte man die Zügel stets
aufnahmebereit
in der Hand halten. Ein gut
vorbereitetes Pferd,
wozu auch das
Desensibilisierungstraining auf
dem Reitplatz gehört, und ein auf
Sicherheit
bewusster Reiter wird nur selten
in gefährliche
Situationen geraten.
Quelle:
Renate Ettl für
westernreiter (EWU)
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